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SHITSTORM ALS POLITISCHE KULTUR

«Im Hinblick auf die Sitzung der Kulturkommission anfang November 2020 stellte ich als Mitglied den Antrag einer Traktandenänderung. Ich erwartete das übliche Vorgehen: Feststellung Eingang Antrag, Diskussion oder auch nicht, Abstimmung. Stattdessen ergoss sich seitens der Männer ein beispielloser Shitstorm über mich, mit Übergriffen auf meine Persönlichkeit. Die Frauen, der Reihe nach befragt, pflichteten den Männern bei oder «hielten sich da raus». Es endete damit, dass ich vom Vorsitzenden das Ultimatum bekam, in der 5-minütigen Corona-Lüftungspause zu entscheiden, ob ich mich fügen oder die Kulturkommission verlassen wolle.

 

Das tat weh. Ich bin entsetzt über den menschlichen Umgang: Sich fügen ist Frauen, Kindern, Sklaven und anderen Untertanen vorbehalten und hat nichts gemein mit der bunten Vielfalt einer demokratischen Kultur schweizerischer Ausprägung. Mit dem Protokoll bin ich nicht einverstanden, denn es gibt den Sachverhalt nicht adäquat wider.

 

Wie ich in meinem Motivationsschreiben im Mai dieses Jahres bereits festhielt, gibt es keine bessere Zeit als die aktuelle humanitäre Corona-Krise, sich in der Politik auf Kultur zu besinnen und neue Ansätze des gesellschaftlichen Miteinanders zu finden. Die Kulturkommission scheint mir dafür der beste Ort.

 

Der Umstand, dass mich der Gesamtgemeinderat gewählt hat, werte ich als politischen Auftrag, den ich nun leider nicht erfüllen kann. Deshalb reiche ich meine Demission von der Kulturkommission ein. Gern würde ich mich aber für eine Politik der Kultur und Gesellschaftsentwicklung an einem anderen Platz engagieren.» 

Kommentar

Der Vorsitzende der Kulturkommission, der den Shitstorm moderiert hatte, nimmt mir mein Rücktrittsschreiben an den Gemeindepräsidenten (Bürgermeister) übel:

  • Die Ereignisse würden sich überschlagen – als ob sie nicht absehbar gewesen wären!
  • Die gewählten Formulierungen und Schuldzuweisungen bedaure er sehr – … also meine akribische Einhaltung der Regeln der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg.
  • Ebenso bedauert der Vorsitzende, dass die Kommissionsmitglieder nicht direkt informiert worden seien. – Der Gesamtgemeinderat ist sowohl für die Wahl als auch für die Rücktritte zuständig, nicht die Kommissionsmitglieder.
  • Vordergründig wurde ich aufgrund von Führungsmängeln und Konzeptlosigkeit in meinem Auftrag blockiert, in der dieses Jahr neu zum Leben erweckten Kulturkommission die Website zu erstellen. Während des Shitstorms kam zutage, dass das Nichtbeantworten von E-Mails und das Vorenthalten von Information Absicht war.
  • Die Website müsse nun klar ohne mich gelöst werden – ist das Bedauern oder Genugtuung? Jedenfalls haben gleich zwei der Männer bereits sogenannte Entwürfe zur Hand, die sich jedem Anspruch an Professionalität und Ästhetik verweigern: Was hat nur schon ein Inhaltsverzeichnis in einer Website zu schaffen? Sitemap und Links sind längst erfunden worden!
  • Der Vorsitzende lässt sich vernehmen: Die beiden Vorschläge liessen sich mit wenig Aufwand kombinieren und anpassen (Design, Farben, Schriften, usw.). Insbesondere sei dabei zu beachten, dass der Online-Auftritt immer à jour sein sollte. Somit müsse man selber in der Lage sein, die Inhalte schnell und unkompliziert anzupassen. Sinngemäss könne man gewisse Layout-Aufträge nach aussen geben. – Wie bitte? Kann mir jemand sagen, worum es hier geht?

Narzissmus bedeutet so viel wie Selbstverliebtheit oder Selbstbewunderung. Ein Narzisst ist eine übermässig stark auf sich selbst bezogene Person mit überschwenglich positivem Selbstbild, was sie zugleich gegenüber negativer Kritik immunisiert. – Aha! 

  • Der Vorsitzende hat sich nach eigener Aussage privat im Pflegeheim eines nahen Verwandten angesteckt. - Wenn dies so wäre, müsste er das als Fachmann des Gesundheitswesens, der nicht an der Corona-Front arbeitet, erst einmal hinkriegen! Und keine Sorge über den betagten Verwandten zu äussern ebenfalls!

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