Oliver Hoffmann, Wirtschaftspsychologe, schreibt auf LinkedIn:
"Die Gegenwart fühlt sich nicht leer an, weil nichts passiert. Sie fühlt sich leer an, weil zu viel passiert - und fast nichts davon in uns ankommt. Wir leben in der Epoche maximaler Reize bei minimaler Resonanz. Alles ist verfügbar, alles ist kommentierbar, alles ist 'Content'. Und genau deshalb wirkt es wie Watte: weich, endlos, folgenlos.
Blutleere ist ein Mangel an Bedeutung. Psychologisch heisst das: Unser System kann zwar noch registrieren, aber kaum noch verdichten. Aufmerksamkeit wird nicht mehr gesammelt, sondern gestreut. Wir springen von Impuls zu Impuls wie ein Nervensystem im Dauerzucken.
- Was früher Erfahrung war, ist heute Abfolge.
- Was früher Eindruck war, ist heute Durchlauf.
- Wer alles gleichzeitig sieht, sieht am Ende nichts."
Ich sage dazu:
Für Gefühle braucht es einen Körper, in dem das Blut kreist und die Zellen mit Leben versorgt und Verlebtes dem Entsorgungssystem übergibt. Die Sinne stumpfen ab, wenn der Körper nur als Input-Output-System genutzt wird für virtuelle Welten und Hirngespinste. Wenn die Wertschöpfung keinen wert hat. Nämlich die
- Düfte,
- Geräusche,
- die Gänsehaut,
- die mit fleurs de sel versetzte Bittersüsse,
- die Augenweide, die nicht nur den Buchstaben auf dem Bildschirm sieht.
Ruth Floeder-Bühler, Ruflo

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